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Wer war Traugott Bender?

Geschichte: Glaubhafter Politiker Traugott Bender

Ehemaliger Stadtrat und Justizminister starb überraschend 1979

(erg) "Ein Mann, der Politik und Politiker glaubhaft machte." So überschrieb Lokalchef Josef Werner den Nachruf auf Dr. Traugott Bender, den er am 6. Februar 1979 in den BNN veröffentlichte. Der christdemokratische Kommunal- und Landespolitiker war tags zuvor einem Hirnschlag erlegen, den er neun Tage vorher nach einer öffentlichen Veranstaltung im Durlacher Basler-Tor-Gemeindezentrum erlitten hatte. Von Benders großem, seine Gesundheit außer Acht lassendem Engagement ist in Artikeln und Abhandlungen über den Sohn des ehemaligen badischen evangelischen Landesbischofs Dr. Julius Bender zu lesen. So zitiert ihn Werner mit dem Satz, er wolle lieber nicht alt werden, dafür aber den ihm geschenkten Jahren Inhalt geben. Traugott Bender hinterließ neben seiner Ehefrau fünf Kinder.

Mit 32 Jahren Stadtrat

Im Mai 1927 in Tübingen geboren, verbrachte Traugott Bender seine Jugend in Südbaden, bestand in Lahr die Abiturprüfung. Nach dem Kriegsdienst studierte er Theologie und Rechtswissenschaften, erwarb den Doktortitel. Sein Referendariatsdienst führte ihn nach Karlsruhe, wo er 1959 für die CDU in den Gemeinderat einzog. Bei den Etatberatungen 1968 begründete er das "nein" seiner Fraktion zum von OB Günther Klotz eingebrachten Haushalt. Auch von manchem SPD-Stadtrat war seinerzeit Unmut wegen Klotz' Führungsstil zu vernehmen.

Rücktritt ohne Schuld

Schweren Herzens schied Traugott Bender 1972 aus dem Stadtparlament aus, als Ministerpräsident Filbinger den Landtagsabgeordneten - Bender gehörte dem Landesparlament seit 1964 an - ins Amt des Justizministers berief. Diesen Sessel räumte Bender 1977, nachdem sich Mitglieder der RAF im Gefängnis Stuttgart-Stammheim selbst getötet hatten. Beobachter bescheinigten Bender, dass er keine persönliche Schuld an der "Stammheim-Affäre" trug. Aber er übernahm die politische Verantwortung.

Bevor Traugott Bender Minister wurde, war er erfolgreich als Rechtsanwalt tätig. Er vertrat erfolgreich alle Landeskirchen und Bistümer vor dem Bundesverfassungsgericht, als es darum ging, ob die Taufe automatisch die Mitgliedschaft in der Religionsgemeinschaft bedeutet. Auch als Justizminister trat er vor dem Verfassungsgericht auf. Er war Sprecher des Landes Baden-Württemberg beim §-218-Verfahren. Nach dem Rücktritt widmete sich Bender wieder vermehrt der Anwaltstätigkeit, weil er wirtschaftlich nicht von der Politik abhängig sein wollte.

Neben seiner hauptberuflichen politischen Arbeit war Bender in zahlreichen kirchlichen Ehrenämtern sowie in Partei- und Sport-Ehrenämtern aktiv. So führte er neben vielem anderen den Bezirks-Sportbeirat der CDU und war stellvertretender Vorsitzender des Bezirksverbandes Nordbaden. Die Gründung des Sportvereins "SSC Waldstadt" 1967 geht auf eine Initiative Benders und des 400-Meter-Olympiasiegers Carl Kaufmann zurück. 22 Jahre später fusionierte der Verein mit dem "Karlsruher Schwimmclub Neptun 1899" zum SSC Karlsruhe, dessen Sportanlagen im "Traugott-Bender-Sportpark" genannten Sportpark Nordost liegen.

Bender war Synodaler der evangelischen Landeskirche Baden, Verwaltungsratsvorsitzender des südbadischen Diakonissenhauses Nonnenweier, Verwaltungsrat beim Karlsruher Diakonissenhaus Bethlehem, Vorsitzender des Diakonischen Werks Baden.

Ein Fonds beim Justizministerium, der Straffälligen bei der Resozialisierung hilft, trägt noch heute den Namen Traugott Benders.

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